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Wie ich mir die Zeit nach Corona vorstelle - Isabel Bogdan

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

leider hat Corona das Jahr 2020 für alle überschattet. Wir hoffen sehr, dass Sie diese Zeit möglichst gut überstanden haben.

Manchmal fällt es sicher auch Ihnen unter den gegebenen Bedingungen schwer, sich von diesen nicht dominieren zu lassen. Mir hat unter anderem ein Text der Autorin Isabel Bogdan den Rücken gestärkt, dessen Verbreitung Sie mir freundlicherweise gestattet hat.

Der Text zeigt zwar noch mehr Probleme auf, aber diesen sind wir nicht tatenlos ausgeliefert. Wir haben es in der Hand, diese zu lösen. Der Text gibt Hoffnung und Zuversicht und mich motiviert er, kleine Schritte in eine bessere Richtung zu wagen.

Lesen Sie selber:

 

Wie ich mir die Zeit nach Corona vorstelle

Isabel Bogdan

Es wird schön nach Corona. Wir haben ja so viel gelernt!

Vor allem haben wir gelernt, auf die Wissenschaften zu hören und ihre Erkenntnisse umzusetzen. Wir werden die Wissenschaften in Zukunft auch in allen anderen Bereichen gründlich anhören und uns endlich entsprechend verhalten. Wir werden den Klimawandel deutlich verlangsamen und ihn am Ende aufhalten. Wir werden Kohle- und Atomkraftwerke runterfahren und auf alternative Energien umsteigen, wir werden selbstverständlich keine neuen Kohlekraftwerke bauen und ans Netz anschließen. Wir werden keinen Regenwald mehr abholzen, wir werden wieder aufforsten, was wir schon kaputt gemacht haben. Wir werden viel Mühe und Energie in den Erhalt der Artenvielfalt stecken.

Wir werden Kurzstreckenflüge abschaffen und Langstreckenflüge drastisch unattraktiver machen, ebenso wie das Autofahren. Wir werden Fahrrad- und Fußgängerwege in den Städten ausbauen und den ÖPNV stärken. Wir werden endlich die verdammten Laubbläser verbieten. Wir werden sicher nicht aus Steuergeldern Prämien auf den Erwerb eines Neuwagens zahlen, wir werden keine Unternehmen finanziell bezuschussen, die Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten und dann vom Staat gerettet werden wollen. Wir werden die Kleinselbständigen retten, die Café- und Restaurant- und kleinen Ladenbesitzer:innen und alle, die in Kunst und Kultur arbeiten.

Wir werden Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten, endlich anständig bezahlen, und zwar nicht mit Applaus.

Wir werden Menschen, die in Schlachthöfen arbeiten, nicht mehr ausbeuten und erniedrigen, wir werden die Schlachthöfe schließen, wir werden die Massentierhaltung abschaffen. Wir werden Obst und Gemüse essen, dann ist auch genug für alle da. Wir werden aufhören, den globalen Süden auszubeuten, wir werden die Arbeiterinnen in den Kleiderfabriken in Südostasien anständig bezahlen und behandeln, wir werden den Kakao für unsere Schokolade nicht mehr von Kindern ernten lassen. Wir werden kein Billigzeug mehr kaufen. Wir werden aufhören, Unmengen von Müll zu produzieren. Wir werden langlebige und vornehmlich regionale Produkte kaufen und dafür anständige Preise zahlen. Wir werden begriffen haben, dass der Kapitalismus die Wurzel allen Übels ist.

Wir werden Männer und Frauen für die gleiche Arbeit gleich bezahlen, damit auch die Care- und Hausarbeit gleich verteilt werden kann. Wir werden den Wert von Kunst und Kultur zu schätzen wissen, wir werden ins Theater, ins Kino und Konzerte gehen und Bücher lesen. Wir werden uns auf Freundschaften besonnen haben. Wir werden uns umarmen.

Wir werden begriffen haben, was „We’re in this together“ heißt. Was für eine überwältigende Erkenntnis: Die ganze Welt steckt da gemeinsam drin. Wie auch in all den anderen Problemen. Und wir kommen da auch nur gemeinsam wieder raus.

Nach Corona werden wir begriffen haben, dass jedes Leben gleich viel wert ist.

Liebe und Frieden werden auf dem Planeten einkehren, Aufklärung und Humanismus. Das wird schön.

 

Was mir darüber hinaus Rückhalt gegeben hat und mich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt, ist die Treue meiner Kundinnen und Kunden, die viele Unbequemlichkeiten (Fensterabholung, Maske-Tragen usw.) akzeptierten, um weiterhin ihre Bücher bei mir zu kaufen. Ganz lieben Dank dafür.

Danke auch an all unsere Zulieferer, die mit großem Einsatz fast Übermenschliches geleistet haben, um den gewohnten Service trotz Pandemiebedingungen weitestgehend bieten zu können.

So gesellten sich zur Angst und Sorge Dankbarkeit, Freude und auch Hoffnung.

Mein  Wunsch für Sie im neuen Jahr ist, dass Dankbarkeit, Freude und Hoffnung überwiegen mögen!

Diesen guten Wünschen schließen sich auch Petra Leusing, Birgit Reich und Michaela Segebrecht an.

Herzlichst- Ihre Yvonne Peter